Monat: April 2014

palmöl

und schon setzte sich einer der vier bulldozer in bewegung. mir blieb der mund offen stehen. das konnte es ja wohl nicht geben!
der größte park der stadt, älter als meine uroma, wurde nun vor meinen augen dem erdboden gleich gemacht. er muss für ein weiteres der gut 60 einkaufszentren weichen.
ich stand immer noch wie angewurzelt da.
die grüne lunge der stadt – einfach zerstört!

„na also wenn sie das schon furchtbar finden, dann dürfte ihnen der erhalt des regenwaldes ja auch am herzen liegen oder ist das nicht so schlimm weil es nicht vor der eigenen haustür passiert?!“, sprach mich eine androgyne frau, ebenfalls darüber erbost, an. „doch, doch, immerhin geht uns diese thematik alle an! deshalb vermeide ich auch jegliche produkte die palmöl enthalten. auch wenn es schwer erscheint, da es fast in jedem produkt unserer westlichen hämisphäre enthalten ist.“, entgegnete ich, ohne den blick vom geschehen abzuwenden.
es war einfach zu fesselnd wie jahrhunderte alte bäume in kürzester zeit gefällt wurden.
,noch letzte woche saß ich unter dem baum‘, dachte ich.

„sie wissen von der problematik des palmöls?“, sagte sie positiv überrascht und wandte sich mir aufgeschlossener zu. „das ist erstaunlich, wo doch gefühlt niemand von dieser problematik weiß.“ „so kommt es mir auch immer vor. mag aber auch daran liegen, dass erst ab 2015 jede Zutat tatsächlich namentlich genannt werden muss. noch verbirgt es sich oft unter dem simplem und allgemeinem begriff ,pflanzliches fett‘. genauso ist es auch bei kosmetika, wo man oft nicht weiß was sich genau hinter den gelisteten zutaten verbirgt. zum beispiel cetearyl, lauryl oder stearyl kennt doch kein mensch!
was mich allerdings wirklich interessieren würde ist, warum sie nicht einfach woanders anbauen?“

laut der informationen die ich bisher bekommen habe wachsen die palmen auf eben jenem regenwaldboden einfach am besten. sie roden den djungel, wobei nicht nur die pflanzenwelt sondern auch sämtliche tiere und auch urwaldbewohner getötet und vertrieben werden. sie legen dann den torfboden trocken, in dem co2 gespeichert ist, der durch die trockenlegung freigesetzt wird und auf diese weise dann den treibhauseffekt weiter ankurbelt. ist das nicht erschreckend? und dabei wächst die nachfrage stätig, da es das günstigste pflanzenfett ist. es nimmt bereits den größten marktanteil mit 30% ein.“
„Naja, das ist doch sonnenklar. es ist einfach viel ertragreicher als herkömmliche pflanzenfette. es übersteigt den ertrag pro fläche bei raps zum beispiel um das dreifache.“
„aber um was für einen preis…“, verzweiflung lag in ihrer stimme.

„es ist schade drum, da palmöl an sich ein schöner fettlieferant ist. nicht nur das es hohen temperaturen strotzt, es hat auch einen absolut beeindruckenden anteil an carotinen, die ja besonders gut für haut und augen sind. außerdem ist auch viel vitamin e und das coenzym q10 enthalten, also ein rundumschutz vor freien radikalen. es wäre flasch das öl zu verteufeln. es ist nur die falsche herangehensweise es zu produzieren.“
„ich merke sie haben den durchblick was diese thematik anbelangt. was halten sie davon noch auf einen tee über die möglichkeiten zur vermeidung von palmölenthaltenden waschmitteln zu diskutieren? es ist einfach unglaublich das auch in derlei produkten palmöl enthalten ist. doch mir ist noch schleierhaft wie ich nun meine wäsche waschen soll. hätten sie da ein paar ansatzpunkte?“

ohnmächtig in anbetracht der zahlreich angerückten bulldozer zogen sie gemeinsam von dannen. weg von dem traurigem anblick des zerstörten parks, der so vielen anwohnern als erholungsoase voller frischluft diente und nun zu einem konsumtempel werden solle.

augenbohnen-gurken-salat

vor einiger zeit schon entdeckte ich in den hiesigen türkischen supermärkten gigantische verpackungen gefüllt mit hülsenfrüchten. da mir als veganerin nahegelegt wurde eben jene fest in meinen speiseplan zu integrieren kaufte ich sie mir vor geraumer zeit ohne sie jemals zu verwenden. doch neulich stieß ich beim küchenputz auf die packungen und dachte mir, dass es an der zeit wäre, daraus etwas zu machen und holte mir inspiration aus dem internet.
schon bald darauf entstand der nachstehende, eigends kreierte salat:
(angaben frei schnautze)

• Augenbohnen (einen tag zuvor schon in wasser einweichen und dann vor der zubereitung eine stunde kochen)
• frühlingszwiebeln
• mais
• dillöl
• senf
• eingelegte gurken (und einen schlupps von dem gurkenwasser)

alles verhälnismäßig zusammenhauen und essen.

(achtung! bitte nicht vor dem ersten date essen! die zwiebeln verhindern die verabredung zum zweiten date, denn die habens in sich!)

fett

fett_klein

knirsch, quietsch, rums. als sich der adipöse gast des dinners auf einen stuhl an der theke sinken ließ vernahm das gesamte restaurant das ächtzen des stuhls. „siehst du“, sagte Casandra, „deshalb achte ich genau auf meine fettzufuhr! so wenig wie möglich! dann kann dir sowas da nicht passieren!“ sie warf einen verstolenen blick zu dem neuen gast rüber. ich schaute ebenfalls, was zu dem aufstöhnen des stuhls geführt hatte und widmete mich danach wieder meinem essen.
„der umfang des mannes hat doch nicht ausschließlich mit fett zu tun! fett ist sogar sehr wichtig!“, hielt ich kurz inne und bedachte sie mit einem vielsagenden blick, bevor ich genüsslich in meinen, mit ausschließich gemüse belegten und öl beträufelten burgen biss. glücklich kauend, mit aufgeplusterten backen schaute ich aus dem fenster und begann fast beiläufig weiter zu erzählen: „weißt du, es kommt darauf an was für fette du zu dir nimmst. es gibt nämlich unterschiedliche!“
ich machte eine kurze, spannungssteigernde pause und erzählte dann weiter: „es gibt die gesättigten fettsäuren, die keine bindungen mehr eingehen können und die ungesättigten, die noch in der lage sind bindungen einzugehen.“

Cassandra hörte auf an ihrem spärlichem mahl zu mümmeln und fragte: „und was meinst du mit ‚bindungen eingehen‘?“
„naja, grundsätzlich liefert fett energie. es gibt fette die die organe schützen und polstern und sie vor zum beispiel kälte isolieren. dann gibt es fette die als vermittler arbeiten und hormone produzieren. und sehr oft fungieren sie als transportmoleküle um fettlösliche vitamine zu transportieren. in diesem fall also doggen die vitamine an und gehen kurzzeitig eine bindung ein.“

Cassandra bekommt indess immer größere augen und hat bereits aufghört zu essen um mir aufmerksam lauschen zu können. „ja aber wie kommt es dann, dass so viele menschen so fett sind?“ „also das liegt ja nicht nur am fett selbst. du kannst die schuld nicht allein einem nahrungsbestandteil in die schuhe schieben. es liegt meistens daran, dass zu viel von nur einer art von fett zu sich genommen wird. nämlich die gesättigten fettsäuren, welche unmittelbar in energie umgewandelt werden und auch ernergiereserven für später bilden – fettpölsterchen genannt.“, antworte ich mit einem zwinkern. „gesättigte fettsäuren können zudem vom körper selbst produziert werden. dazu benötigt er nur stärke, zucker oder alkohol. und aus dem baut er sich fett und speichert es. ungesättigte fettsäuren sind dagegen essentiell, können also nicht selbst vom körper produziert werden.“ „jetz bin ich ganz verwirrt!“, sagte sie und unterstrich ihre aussage mit einem reichlich irritiertem gesichtsausdruck und einem leichten kopfschüttler. ich fing an zu lachen, biss noch einmal genüsslich vom brot ab und erklärte weiter: „eigentlich ist es ganz einfach. wichtig ist, wie so oft, das richtige verhältnis. mehr ungesättigte und weniger gesättigte fettsäuren. in fleisch und käse sind ausschließlich gesättigte fettsäuren, wo hingegen in pflanzlichen ölen anteilig mehr ungesättigte fettsäuren zu finden sind.“ „gut. dann mach ich mir jetz noch mehr öl auf den salat um die vitamine aufnehmen zu können.“, sagte sie etwas verdattert über diese informationen und griff zu dem olivenölfläschchen das auf dem tisch stand.
„sieh mal,“, sagte ich und nahm die flasche von ihr entgegen als sie es mir reichte und träufelte mir ebenfalls noch etwas auf mein gemüse, „fett ist zudem noch geschmacksträger für aromastoffe. mit fett schmeckt das essen meist noch viel, viel besser. also spare nicht am fett, sondern achte auf das verhältnis!“