Monat: September 2017

kerbholz

ich bin eine kerbe in seinem holz.
ein strich auf seinem knie.
blasse erinnerung mit abscheu im gesicht.
es fühlt sich falsch an.
klein. unaufrichtig. verlogen.
winzig.
das leben ist bunt! kein schwarzweißfilm auf dem man schablonen von prinzipien legen kann.

ich bin eine kerbe in seinem holz.

abgenutzt. enttäuscht. ausrangiert.

knipsen wo man steht und geht

durch handykameras und dank des digitalen zeitalters ist photographieren so einfach und schnell wie nie zuvor. mittlerweile hat sich eine richtige photowelt erschlossen die auf seiten wie instagram, tumblr, pinterest und co in einer wahren flut aus bilderdaten mündet.

da ich ja, wie ihr wisst, im aufräumwahn war, stieß ich natürlich auch auf das thema photos.

was kann ich auch bei diesen gegenständen ziehen lassen und welche erinnerungen sind mir wirklich wichtig?
doch wäre dass nicht nur eine art symptombehandlung? steht vor dem ausgedrucken photo nicht das photographieren selbst?

in der literatur die ich ums thema aufräumen las wurde von der autorin auch die frage gestellt, warum wir heutzutage überhaupt so viel knipsen. und sie hat recht.
was verleitet uns dazu unser essen im restaurant oder den kaffee in der mittagspause und all die anderen doch relativ „nichtigen“ alltagssituationen festzuhalten und sie für die welt zu posten?

12019929_763569083789550_4673785324080091178_nals ich über diese frage nachdachte musste ich schmunzel, da mir bewusst wurde, dass auch ich vermehrt allen mist um mich herum abzulichten und festzuhalten versuchte.
und ich hinterfragte mein handeln.

die einfache antwort war:
ich wollte gesehen werden.
anerkennung.
anerkennung für das was ich so geiles in meinem leben mache…sei es noch so sinnfrei.

20108253_1197339663745821_2969283058192220626_ndoch das war nicht immer so.
wenn ich an die zeit mit Bärchenjäger zurück denke, dann weiß ich noch als wäre es heute, wie er sich darüber ärgerte, dass ich im urlaub…dem wohl geilsten urlaub meines lebens…so wenig photographierte, obwohl ich meine große kamera mitgeschleppt hatte.
er war am ende derjenige, der die meisten photos machte.

ich dachte damals es lege daran, dass ich ohnehin als photographin den ganzen tag am knipsen sei, doch es steckt etwas ganz anderes dahinter.
ich war schon immer der meinung, dass man als photograph nie richtig beim geschehen dabei ist. du bekommst alles nur wie durch eine art schleier mit…der sucher durch den du schaust ist wie eine art schutzschild…ein schleier, der dich passiv am geschehen teilhaben lässt. und genau das wollte ich in meinem urlaub nicht. ich stand lieber da und schaute mir die landschaft und Bärchenjäger mit meinen eigenen augen an.
genoss jeden augenblick in vollkommenheit.

und warum hat sich das gewandelt?
als ich plötzlich vor meiner kaputten welt stand, habe ich versucht alles krampfhaft festzuhalten. ein versuch mir surreale sicherheit zu schaffen. wenn ich es ablichte, ist es auch wirklich passiert und bleibt bei mir.
mit der zeit wurde das weniger, doch ich orientierte mich an den influencern…was für ein tolles und schillerndes leben sie doch führen.

aber im ernst?! was gucke ich denn nach links und nach rechts. verbringe stunden damit den anderen zuzusehen was die so treiben statt selbst meine träume zu leben?!

werde dir bewusst was du in deinem leben alles machen und erleben willst…was du erreichen willst und fange an. egal wie. schritt für schritt bis du am ziel bist!
orientiere dich an anderen, keine frage, das ist völlig richtig sich von anderen menschen inspirieren zu lassen. doch bitte, bitte, fangt an den menschen einen mehrwert zu bieten und nicht einfach die linse auf alles zu halten was nicht niet und nagelfest ist.

mir ist durch diese gedanken bewusst geworden wie viel mich Bärchenjägers herz in meinem ausgefüllt hat. das ist auch der grund warum ich nie über sexstories mit ihm geschrieben habe. sie haben mich erfüllt. dafür wollte ich keinerlei anerkennung von außen…das brauchte ich nicht. ich war ganz eins mit ihm und es bedurfte keinerlei veröffentlichung um mich dadurch „größer“ zu fühlen.
ich bin dankbar das einmal erlebt zu haben und ich vermute sehr stark, dass es vielen so geht, dass sie in solch berührenden momenten, in denen sie ganz bei sich sind, nicht daran denken ein photo zu schießen, das würde aus der situation herausziehen – du bist nicht mehr ganz dabei, sondern mit den gedanken schon wieder ganz wo anders…bei der kamera und dem gedanken was mit dem photo einmal werden soll (erinnerung, post auf diversen networkingseiten, photobuch…).

ich fülle mich nun selbst aus, denn die beste anerkennung kann wohl nur die eigene sein…selbstliebe und ein positives selbstwertgefühl. ist das nicht das größte geschenk dass wir der menschheit geben können? wenn wir selbst zufrieden und glücklich sind (und unser glück hängt einzig und allein von uns selbst ab. wer das begreift trägt den schlüssel in seiner hand!) können wir anderen helfen, denn nur dann sind wir offen für andere und können zu wahrer erfüllung finden.

dazu noch eine kleine anekdote:
in einer vorlesung an einer universität bringt der professor ein leeres großes glas mit und stellt es auf den tisch vor sich.
dort füllt er große steine rein und fragt seine schüler: „ist das glas nun voll?“
die schüler sitzen da und meinen alle: „ja. das glas ist voll.“
und der lehrer fragt: „ist das glas wirklich voll?“
nach einer weile meldet sich ein schüler zu wort und gibt zu bedenken: „naja, zwischen den großen steinen sind ja noch zwischenräume…“
der professor stimmt zu und schüttet noch einmal sand dazu, so dass auch die zwischenräume gefüllt sind und fragt: „ist das glas nun voll?“
schon meldet sich ein student und meint: „wir könnten noch wasser einfüllen.“
gesagt getan und wieder überlegen alle ob das glas nun voll ist…es kommt keiner mehr auf eine weitere idee und so beschließen sie geminsam, dass das glas nun voll ist.
der professor ergreift wieder das wort: „dass ist das was viele menschen mit ihrem leben machen. sie gucken immer ‚was passt noch rein?‘. bis wir rand voll sind mit belanglosen und nebensächlichen dingen, anstatt uns auf die „big rocks“ die großen steine des lebens zu konzentrieren. anstatt von anfang an dafür sorge zu tragen dass die dinge die uns am wichtigsten sind auf jeden fall gut in unserem kalender geblockt sind. und unser fehler ist oft, dass wir nicht mit den big rocks anfangen, sondern schon mit einem haufen sand und wasser gefüllt sind und nur noch hier und da ein großer stein reinpasst.“

überleg dir welche deine ganz persönlichen BIG ROCKS sind und fang an sie in deinen kalender zu tragen, dass für diese auf jeden fall jede woche zeit ist, bevor die verpflichtungen und alltäglichen dinge…der sand…sich drum herum mischen kann – nicht umgekehrt.

was sind deine BIG ROCKS?