Monat: Dezember 2017

schmuck als rüstung

es gibt viele arten sich einen emotionalen panzer anzulegen und diese zeigen sich bisweilen auch im äußeren. in diesem artikel möchte ich mich der frage widmen ob die these aus meinem ersten Feng Shui buch für mich sinn macht.

auf den letzten seiten des buches „Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags“ von Karen Kingston schreibt sie: “ falls ihr zu hause sehr vollgerümpelt ist, haben sie vielleicht auch das bedürfnis, große megen schmuck zu tragen, möglicherweise in dem maße, dass sie sich ohne halb nackt fühlen. wie hausgerümpel ist auch schmuck in überfülle eine form von emotionaler rüstung. nachdem sie ihr haus entrümpelt haben, werden sie ganz natürlich dazu tendieren, ihren schmuck ebenfalls zu reduzieren, weil sie sich sicherer und in der lage fühlen, ihr natürliches ich strahlen zu lassen.“ (seite 214)

als ich das laß musste ich ersteinmal das buch zur seite legen, denn ich fühlte mich sehr ertappt.
bereits in der grundschule war ich diejenige die sich am frühsten die meisten ohrlöcher stechen ließ. da meine eltern mir keine piercings erlaubten wartete ich geduldig bis auf den tag genau auf meinen 18. geburtstags und ließ mich umgehend mehrmals durchstechen. es folgten tattoos und seit dem kam immer mehr körperschmuck dazu.
doch es stagnierte. je länger ich mit meinem mann liiert war, desto weniger schmuck trug ich. selbst der nagellack war am ende farblos. das zeigt wohl wie wohl und sicher ich mich in seiner gegenwart gefühlt habe, denn direkt nach der trennung legte ich mir knallig roten lippenstift auf, kramte meinen schmuck vor, ließ mich mehrmals im gesicht piercen und großflächig tätowieren.
also wenn dass kein panzer ganz nach der definition Karen Kingstons ist?!

doch es geschah etwas interessantes. nachdem ich meine ganze bude ausgemistet hatte schaute ich in den spiegel und fand meine ohren viel zu vollgehangen und wirr geschmückt.
ich nahm tatsächlich 3 meiner ohringe raus und reduzierte die verbliebene schmuckstücke von ring auf stecker und wechselte auf fablose silkon tunnel.
ich war überrascht was ich für schöne ohren habe, jetzt wo ich sie „sehen“ kann.

doch es ist so, wie frau Kingston es sagt. es ist eine rüstung. denn die vorstellung keine tattoos zu haben würde mich unverzüglich beschämen. ich würde mich in der tat „nackig“ fühlen.
vor was schütze ich mich also?
es ist kein modeschmuck, keine kette, die ich abnehme, wenn mir danach ist oder sie mir nicht mehr gefällt.
dieser schmuck geht mir unter die haut. ich kann diesen farbpanzer nicht einfach abnehmen.

die haut steht in der integralen medizin für den schutz der individualität („ich fühle mich sicher ich selbst zu sein.“) und stellt die landkarte der seele dar. es ist die grenze nach außen.

wenn ich andere tätowierte menschen sehe, kommen sie mir unweigerlich viel „härter“ vor, als menschen ohne. es strahlt für mich etwas rohes aus, aggressives, auch wenn ich festgestellt habe, dass oft genau das gegenteil der fall ist. die meisten mir bekannten, stark tätowierten menschen sind sogar sehr weich und verletzlich, was die these stützen würde, dass ein panzer zum schutz errichtet wurde.

ich kann aus meiner sicht also bestätigen, dass es vor allem bei mir ein schutzfilm ist. wäre ja nicht schlecht, wenn tatsächlich angriffe dadurch abprallen würden, doch leider ist es eben am ende doch nur farbe.

durch selbstliebe loslassen

wie oft wurde mir im vergangenen jahr etwas vom „loslassen“ erzählt.
es hing mir zum halse raus.

durch meine neue liebe, die mich über mich hinauswachsen lässt, lerne ich so unfassbar viel über meine schatten und wie ich sie überwinden kann.
und dabei ist mir eines aufgefallen: loslassen gelingt nur durch selbstliebe.

das mag total logisch und plausibel sein, doch mit selbstliebe meine ich nicht das übliche: jaja, doch. ich mag mich schon.
selbstliebe umfasst etwas mehr.

A.K.T.

achtsamkeit. klarheit. tat.

selbstliebe umfasst diese 3 grundzutaten, die der schlüssel zur befreiung von seelischen schmerzen sind und den weg des loslassens ebnen.

achtsamkeit ist denke ich vielen von uns ein begriff und deshalb möchte ich es an dieser stelle nur kurz anschneiden, da es sehr praxisbezogene literatur und andere medien in großer zahl gibt, die zu rate gezogen werden können.
mit meinen eigenen worten der vollständigkeit halber, beschreibt achtsamkeit in der selbstliebe das aktive im hier und jetzt sein, in der tätigkeit oder dem gedanken zu sein, in der ich gerade stecke. ganz bei mir sein und nicht multi tasking ähnlich so viel wie möglich in einen moment stopfen – auf meine bedürfnisse hören. das erfordert übung und disziplin.

klarheit beschreibt die frage nach den persönlichen werten.
was sind meine werte? passiert gerade das, was ich wirklich will? die kunst liegt darin sich klarheit über eigene ziele zu schaffen. der grund, für den wir jeden morgen aufstehen, die vorstellung von einem erfüllten leben zu definieren. dieses große fragezeichen mit leben zu füllen, genau zu definieren ist ein wichtiger schritt zur selbstliebe. zu lauschen, was das eigene herz wirklich möchte und sich diesbezüglich auch immer wieder zu hinterfragen. gerade wenn der geist dabei ist müll zu produzieren, stelle fragen um dadurch ans ziel, einem ergebnis von deinem wert zu kommen.

diese ziele und werte, die in der klarheit erkannt wurden, weil man ihnen raum gegeben hat um gehört zu werden, müssen dann in die tat, dem t in der eselsbrücke a.k.t., umgesetzt werden.
die ersten 2 schritte mögen zu allermeist noch schaffbar sein, doch bei der tat wird es meistens etwas holperig.
stehen wir z.b. für den wert: biologisch angebaute lebensmittel sind die bessere wahl für mensch und umwelt. kaufen wir dann auch genau diese produkte, um unserem wert und schließlich dadurch auch uns selbst treu zu bleiben?
das nennt sich mind-behavior-gap. die diskrepanz zwischen dem geist und dem was man eigentlich tut. unser unterbewusstsein bekommt mit, wenn wir unsere eigenen werte übergehen und merkt dadurch, dass wir uns selbst und unsere belange nicht ernst nehmen. an dieser stelle sollten wir uns fragen, ob wir authentisch sind. tue ich wirklich das, was ich sage oder spiele ich theater um vor anderen gut dazustehen?

zu seinen überzeugungen und werten zu stehen ist sehr oft alles andere als leicht und erfordert in gewissen situationen wirklich durchhaltevermögen. doch sind wir uns das nicht selbst wert?

es sind meist kleine dinge wie: das ganz besonders intensive putzen bevor angekündigter besuch kommt. bin ich es mir selbst nicht wert die wohnung in schuss zu halten? ich kann im „dreck“ und der unordnung leben, aber für den besuch muss es schick sein.

wenn wir zu uns stehen. für uns einstehen. definieren was unsere bedürfnisse sind, ist es, wie in der wahren liebe im vorherigen artikel beschrieben, auch ein leichtes „loszulassen“, denn was ich brauche habe ich bereits bei mir. mich selbst.

vom geben und nehmen

mein großes fragezeichen des vergangenen jahres, das mich beschäftigte lautet: gibt es bedingunglose liebe einem liebespartner gegenüber wirklich?

ich habe es bis gestern nicht fühlen können, doch der knoten ist geplatzt.
seit einiger zeit bin ich super verknallt in einen so wundervollen mann.
wir haben beide eine schmerzliche vergangenheit und unsere biographischen wunden mit scheidung und gesundheitlichem leidensweg. es liegt distanz zwischen uns, und damit ist nicht die räumliche gemeint, doch durch genau diese ferne, komme ich ihm nahe und spüre nun, was es bedeutet, bedinungslos zu lieben.

du kannst dir nur dann zurückgewiesen vorkommen, wenn du versuchst etwas an dich zu reißen

immer wenn wir uns verletzt fühlen von einem menschen den wir lieben, hat das zur folge, dass wir etwas erwarteten…dass wir etwas bestimmtes von jemandem wollten.
oftmals geben wir etwas von uns, mit der meist unbewussten annahme, im gegenzug dafür etwas zu bekommen, z.b. ebenfalls die zuneigung, die wir unserem partner als beispiel haben zu teil werden lassen. erhalten wir das nicht, fühlen wir uns zurückgewiesen, enttäuscht, verletzt. doch stellt sich an dieser stelle nicht die frage:

geben wir nur um etwas zu bekommen?

enttäuschung und damit gefühlte zurückweisung resulitert nur auf unerfüllte erwartungen. ist das nicht die falsche herangehensweise?

als kleinkinder geben und helfen wir ohne eine gegenleistung zu erwarten. es ist für uns eine natürliche vorgehensweise. erst durch erziehung und soziale anpassung lernen wir, dass wir eine gegenleistung erhalten, wenn wir etwas getan haben: „wenn du artig bist, bekommst du einen lolli.“ „wenn du jetzt schön auf isst, dann…“

es ist nicht so einfach seine gefühle nicht mit erwartungen zu schmücken. zu geben und zu geben ohne etwas im gegenzug zu erwarten.

ist das nicht selbstaufgabe?!
das dachte ich lange zeit.

wenn ich über mein verhältnis zu meinen eltern nachdenke, dann is dort für alles was sie mir geben ein gewisser druck im rücken.
oft sagen sie: „wir haben so viel für euch getan! und wie dankt ihr es uns?!“
auch dort habe ich mich schon oft gefragt, ob sie meinem bruder und mir nur helfen, weil sie im gegenzug erwarten, dass wir uns um sie kümmern.

ist diese zuwendung dann aufrichtig? entspringt sie wahrer liebe?

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es erscheint eher wie ein handel. und wenn mir persönlich druck im nacken sitzt, gebe ich nicht mehr so gerne wie ich es unter anderen umständen tun würde.
ich bin also schon mit der subtilen regel groß geworden: wenn wir dir etwas geben, erwarten wir, dass du es uns auf ebenbürtige weise zurück gibst.
dass man aus dieser situation nur mit seelischen schmerzen, verletzungen und enttäuschen hervorgeht, ist so gut wie vorprogrammiert.

wahre zuneigung und liebe kann dir keiner nehmen. und wenn ich einen menschen wahrhaft liebe, gebe ich ihm gerne, auch wenn nichts zurück kommt. mein gegenüber ist nicht dazu da, meine bedürfnisse zu befriedigen. das kann nur ich allein. und wenn es mein bedürfnis ist ihm etwas zukommen zu lassen tue ich es, denn wenn ich gebe, um zu geben, kann mich niemand zurückweisen, da ganzheit keine ansprüche kennt.

ich merke dass es eine schmale gradwanderung ist, wieder in alte muster umzuschwenken. schnell bauen sich doch wieder erwartungen auf, gerade wenn der partner einen schritt auf uns zugeht. der trick dabei ist, sich dessen immer wieder bewusst zu machen – wahre liebe ist grenzenlos.