Für jedes Leiden ist ein Kraut gewachsen so heißt es. Auch das vernachlässigte Labkraut hat so einiges an Telent zu bieten und gut reicht es dabei auch.

Leichter, süßlicher Honigduft erfüllt die Luft und ich radle glücklich an der Oder entlang, als mir gewahr wird, dass der bezaubernde Geruch des Wahren Labkrauts (Gallium verum) herrührt. Ich halte unvermittelt an und komme aus dem Staunen nicht mehr heraus! Da steht es! In voller, gelber Pracht erstreckt sich der pittoreske Anblick der bizarren Pflanze den gesamten Horizont entlang. 

Viele, viele Arten

Bei mir zu Haus, in der Landeshauptstadt, habe ich ein anderes der insgesamt 600 bekannten Labkrautarten gefunden: das Wiesen Labkraut – Galium mollugo. 

Das Wiesen Labkraut ist dem Wahren Labkraut im Grunde eins zu eins gleich, lediglich die Farbe der Blüten und der intensivere Geruch ist ihnen verschieden.

Das Bettstroh, wie es auch genannt wird, hat weiße Blüten. Es zählt zu den Marienkräutern, da Maria es dem Christkinde nach der Geburt in die Wiege gelegt haben soll. Es heißt, dass dies, das einzige Kraut sei, dass der Esel nicht gefressen hätte und wer liegt schon gern auf einer matratzenlosen Lattenroste?! Das wäre ein weniger verheißungsvoller Auftakt in das Leben gewesen, gleichwohl es den beschwerlichen Werdegang des Jesu typisch gewesen wäre. 

In der Geschichte, wurde dieses Kraut tatsächlich auch den Frauen ins Bett gelegt, wenn sie in froher Erwartung waren. Daher der Name „Bettstroh“. Es hemmte wohl die Schmerzen der Geburt. 

Ein Bierchen auf der Wiese

Tatsächlich hat es auch eine gerinnende Wirkung. Diese Eigenschaft wurde früher gerne genutzt, um Milch weiterzuverarbeiten. Es war auch ein gern genutztes Kraut für die Heilbierherstellung, da es, wie gefühlt so ziemlich jedes Kraut, harntreibend wirkt.

Für jedes Leiden ist ein Kraut gewachsen so heißt es. Auch das vernachlässigte Labkraut hat so einiges an Telent zu bieten und gut reicht es dabei auch.

Heutzutage kannst Du Dir den Grasstern auf Wiesen, Wegrändern, Ufern oder Dünen pflücken und in den Salat schnippeln. Vor allem die zarten Blüten bevorzuge ich sehr. 

Auch ein Blütenwasser, das ich auch so liebe, ist eine wundervolle Alternative zu zuckerhaltigen Getränken. Pflückst Du Dir die schönen Blüten des Labkrauts, kannst Du sie in Wasser einlegend: Über Nacht in den Kühlschrank und am nächsten Tag frisch genießen. Das Wasser wird herrlich aromatisiert nach Honig schmecken. Ganz ohne Zusätze, mit Ausnahme von kleinen Insekten vielleicht, die dann tot an der Wasseroberfläche schwimmen.

Wenn es zwickt und zwackt

Labkräuter sind auch überlieferte Heilkräuter. Wenn auch nicht so bekannt, sind sie die Wunderwaffe gegen alle möglichen Krebssorten die im Hals- und Kopfbereich angreifen. Zungen- oder Kehlkopfkrebs wurden mithilfe dieser Pflanze bereits mehrfach auskuriert. Effektiv bekämpft wird ein Kropfleiden und auch Stimmbänderlähmungen gehören bei guter Behandlung bald der Vergangenheit an.

Genießt Du den Labkrauttee, reinigt er Deine Nieren, die Leber, die Bauchspeicheldrüse, Milz und das Lymphdrüsensystem. Bist Du geplagt von Hauterkrankungen oder Wunden, so kann die Labkrauttinktur wahre Wunder bewirken. 

Es wirkt beruhigend, blutstillend, entzündungshemmend, krampflösend und nervenstärkend.
Und für wahr, allein der Duft der Blüte hat mich so breit grinsen lassen, dass mich wohl nichts so einfach hätte aus der Bahn werfen können. 

Also halte die Augen offen. Vielleicht findest Du ja den bezaubernden Butterstiel. Es ist ganzjährig zu finden und kann dabei auch leicht mit Waldmeister verwechselt werden, da sich das Blätterkleid sehr ähnlich ist. Waldmeister ist auch ein bedeutungsvolles Kraut, jeden wahrscheinlich von Wassereis oder Berliner Weiße bekannt. Solltest Du Dich also mit deinem Fund irren, genieß ihn gewissenlos, es wird Dir alle Male guttun. 

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