Kategorie: Philosophie

Ist Moral rational oder irrational?

Und wieder ein kleiner Ausflug in die Philosophie, die mich seinerzeit sehr berührte. 

Oft berufen wir uns auf die Moral und auf ethisch korrektes Handeln, wenn es um schwierige Entscheidungen geht. Hinterfragen wir einmal, ob Moral wirklich immer einen klaren Weg einschlägt. Wie ich lernen durfte, ist sie eine sehr diffuse Erscheinung.

Eine kleines Gedankenexperiment

Stelle Dir folgende Situation vor:
Ein Zug ist unterwegs. Mit rasender Geschwindigkeit. Er fährt direkt auf eine Abzweigung zu. Das katastrophale daran: Der Zug ist führerlos und steuert gerade Wegs auf 5 Arbeiter zu, die Gleisreperaturen verrichten. 

Nur Du hast die Möglichkeit den Zug noch an besagter Abzweigung umzulenken. Doch die Frage wäre nicht philosophischer Natur, wenn an Deiner möglichen Handlung nicht ein Haken wäre. 

Wenn Du den Zug mit simplen Umlegen der Gleisabzweigung umlenkst, wird ein weiterer Gleisarbeiter zu Tode kommen. Er ist allein und Du kannst ihn genauso wenig warnen wie die 5 Arbeiter auf der anderen Seite. 

Wofür würdest Du Dich entscheiden? 

Fünf Tote oder nur einer? Und wie wirst Du Dich fühlen, wenn du zwar 5 Menschen das Leben gerettet hast und gleichzeitig durch aktive Handlung zum Tod eines einzigen Menschen beigetragen hast? Lässt du 5 Menschen sterben und damit 5 Familien trauern und bist gleichzeitig durch unterlassenes Handeln passiv an deren Tod schuld? Oder rettest du die 5 und bist aktiv an dem Tod eines einzelnen Menschen beteiligt? 

Solche Situationen sind natürlich nur hypothetisches Gedankenspielen und es darf hinterfragt werden, wozu das Ganze.

So dachte ich auch, bis ich die Weiterführung der Idee las, die mich aus der Fassung brachte, weil plötzlich alles so subjektiv erschien – Moral als etwas unfassbares und nahezu willkürliches.

Aus rein rationaler Sicht des Geschehens würde die Rechnung aufgehen: lieber 5 Menschen retten und dafür die traurige Bilanz eines Toten zu betrauen – fast eine Art Kollateralschaden.

Und es geht noch weiter

Halten wir uns das noch einmal gefühlsmäßig vor Augen: 1 Toter ist besser als 5, stimmst Du mir da zu? 

Was passiert nun, wenn Du am Hebel der Abzweigung stehst und den Zug zu dem einen Menschen leiten kannst, um 5 zu retten, und dieser eine Mensch ist einer Deiner Liebsten – Dein LebenspartnerIn, Ehemann/Gattin, Dein Kind, Elternteil oder Bruder/Schwester, bester FreundIn? 

Wie würde Deine Entscheidung in diesem Falle aussehen? 

Könntest Du auch dann die rationale Entscheidung treffen?

Vom kleinsten gemeinsamen Nenner

Wenn wir die Zusammenhänge im Kleinen verstehen, können wir die Zusammenhänge im Großen begreifen.

ATOME.

Und wenn jetzt der ein oder andere Leser denkt: ATOME?! „Ich hasse Chemie! Das interessiert mich nicht!“, dem kann ich nur sagen: „Lies weiter! Es lohnt sich!“, denn was jetzt kommt, ist der absolute Wahnsinn!

Atomkerne & Wolken

Zunächst möchte ich euch fragen, ob auch ihr in der Schule gelernt habt, dass ein Atom aus einem Atomkern besteht, um den sich Elektronen und Positionen drehen? Ich für meinen Teil habe das so gelernt, doch die heutige Wissenschaft hat nun herausgefunden, dass ein Atom eine kleine Wolke aus Wahrscheinlichkeiten ist, die an vielen Orten gleichzeitig existieren kann, das nennt sich „Superposition“. Ziemlich cool oder? Es gleicht einer Idee aus einem Science Fiction Roman, dabei ist es reine Wirklichkeit. Ein subatomares Teilchen existiert gleichzeitig an mehreren Orten und experimentiert mit dem optimalen Weg, bevor es sich zu einer endgültigen Reaktion entscheidet. Es sieht ganz so aus, als würde sich das Atom für den optimalen Weg in einem rückwärts gerichteten Zeitablauf entscheiden.

IMG_2576

Der Raum dazwischen

„Subatomare Partikel sind auf unserer grundlegendsten Ebene des Seins nicht nur kein definierbares etwas, sondern sie bleiben auch nicht immer die selben. Die kleinen Dinge, aus denen sich die großen im Universum zusammensetzen, verändern sich ständig. Alle subatomaren Teilchen tauschen andauernd Informationen mit ihrer Umgebung aus und werden ständig in einem dynamischen Muster neu arrangiert. Unser Universum enthält eine unbestimmte Zahl vibrierender Energiepakete, die in einem Quantenmeer aus Licht, wie in einem endlosen Basketballspiel, permanent Energie hin und her werfen. Im Grunde sind sie nicht einmal die ganze Zeit vorhanden, sondern verlieren sich immer wieder in das Hintergrundfeld der Energie, tauchen kurz auf und verschwinden dann wieder.
Alle Elementarteilchen stehen miteinander in Wechselwirkung durch etwas, dass man für temporäre oder „virtuelle“ Quantenpartikel hält. In weniger als einem Augenblick verbinden sie sich miteinander oder löschen sich gegenseitig aus. Außerdem hat jede Art von Partikel ihr schattenselbst in Form von Antimaterie oder einem Anti-Partikel, dessen Verhalten – von der gegenteiligen Ladung abgesehen – genau dem der „positiven“ Variante enspricht. Für jedes Quark gibt es also ein Anti-Quark, für jedes Elektron ein Positron. Und sollten sich die beiden je begegnen, verbinden sie sich einfach, so dass die oberflächliche Erscheinung einer Einheit in den Zustand unbestimmter Energie zurückkehrt.“ (The Bond, Lynne McTaggart, seite 48-49)

Das bedeutet, dass wir, auch wenn wir im äußerlichen Schein gleich aussehen, in jedem augenblick ein völlig neues Bündel an subatomarer Energie sind. Und vom kleinsten Teil ausgehend, verbindet uns der Raum dazwischen. Nur durch die Verbindung der Partikel und deren Energieaustausch im Raum dazwischen, dem Hintergrundfeld, können wir Materie wahrnehmen, wie wir sie sehen. Jedes Objekt, jedes Ding, jeder Mensch ist also im Grunde eine Ansammlung elektrischer Ladung die mit anderen Energien interagiert. Wir sind alle unzertrennlich miteinander verbunden und beeinflussen uns energetisch andauernd und egal aus welcher Entfernung.
Sobald subatomare Teilchen einmal kontakt zueinander hatten und sie sich der Existenz des anderen immer noch bewusst sind, beeinflussen sich diese unabhängig von Zeit und Raum, auf der selben oder entgegengesetzten Richtung und ohne erkennbaren Grund. Das klingt alles sehr abstrakt und nicht ganz zu begreifen oder?!

Verbunden bis zur Unendlichkeit

Sind diese Teilchen also erst einmal miteinander verschmolzen, kann man sie nicht wieder trennen. Was dem einen Teilchen geschieht, passiert auch dem anderen. Es geht so weit, dass sie ihre Individualität ein Stück weit verlieren und sich nur noch als riesige Welle verhalten – was einem Partikel passiert, wirkt sich auch sofort auf die gesamte gruppe aus, einer Laolawelle im Fußballstadion ähnlich.

In einem Experiment wurde entdeckt, dass der Beobachter des Experiments, anscheinend in der Lage war, das potenzielle Erscheinungsbild des subatomaren Teilscheins in ein messbares Ergebnis zu verwandeln. Es bedarf also lediglich lebendigem Bewusstseins, um das in Erscheinung treten zu lassen, was der Beobachter sehen möchte bzw. erwartet. Wir sind maßgeblich daran beteiligt, was im Hier und Jetzt geschieht, unabhängig von Zeit und Raum. Das Sprichwort: Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, erhält nun mit wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen, eine ganz neue Bedeutung.

Materie können wir nicht länger als etwas eigenständiges, isoliertes, von allem getrennten sehen. Es ist ein komplexes Beziehungsnetz, in dem alle Partikel, für immer miteinander verbunden sind. „Das Leben vollzieht sich nicht in einem Ding, sondern in der Beziehung, dem Raum zwischen zwei Dingen: zwischen subatomaren Teilchen, dem Hintergrundfeld und zwischen Geist oder Bewusstsein und Materie.“ (The Bond, Lynne McTaggart, seite 58-59)

Die Resonanz aller Dinge

Ich finde dadurch erklärt sich, warum ich, wenn ich ein Buch lese und in der U-Bahn nach links und rechts schaue, ganz viele Buchleser um mich herum habe oder warum genau dann alle zur Kasse wollen, wenn auch ich zur Kasse möchte, wo doch beim Betreten des Ladens die Kasse so schön leer war. Wir schwingen alle mehr oder weniger im Einklang, wenn wir das selbe Ziel haben, als großer Organismus, der sich gegenseitig beeinflusst und lenkt. Das Gesetz der Anziehung, von dem ich so gern und oft rede, ergibt mit dieser Erklärung substanziellen Sinn.

Leben in der Unendlichkeit

Ein kleiner Ausflug in die Philosophie:

Stelle Dir vor, Dein Leben würde sich wie in „Und täglich grüßt das Murmeltier“ in Dauerschleife wiederholen. Jedes noch so kleine Detail würdest Du immer und immer wieder erleben. Vom ersten Schultag, zum ersten Kuss, über beflügelnde Meisterschaften und auch Trennungen, Jobwechsel – einfach alles, was zu Deinem Leben dazu gehört, würde sich unendlichfach wiederholen. 

Hättest Du mache Entscheidungen anders getroffen, hättest Du gewusst, dass sich Dein Leben in unendlicher Wiederholung bewegen würde? oder würdest Du vielleicht in Zukunft anders leben, wenn Du wüsstest das es so wäre?

Wie würde Deine Antwort lauten?

Würdest Du alles wieder genauso tun, wie Du es bereits getan hast? Und hieße das, dass das Du Dein Leben bis jetzt authentisch gelebt hast? 

Und was bedeutet es, wenn Du Dein Leben nicht noch mal so wiederholen wollen würdest? Hieße dass, dass Du bis jetzt unauthentisch gelebt hast?

Leben wir erst dann unser Leben bewusster, wenn uns der Gedanke an eine ewige Wiederholung abschreckt, bzw. Freude bereitet?

Was wäre Deine Antwort? 

Würdest Du Dein Leben in Dauerschleife vom ersten bis zum letzten Atemzug noch einmal ganz genauso erleben wollen?

css.php