Naturwissen leicht verständlich

Zeiger der phänologischen Jahresuhr

Frühling, Sommer, Herbst und Winter sind bekannt wie ein bunter Hund und sozusagen ein alter Hut. 

Im Volksmund spricht man auch vom Frühsommer und ist es auch noch im September heiß, reden wir vom Spätsommer. Es sei denn natürlich das nasse, dunkle Wetter bricht früher als erwartet ein, dann wird über den Frühherbst geschimpft, der uns unseres geliebten Sommers beraubt. 

Dass das auch echte Jahreszeiten und nicht nur Smaltalkgeplapper ist, ist jedoch den wenigsten bekannt. 

Der phänologische Jahreskalender ist ein detaillierter Kalender, der ohne Monatsrhythmus fließt und sich allein durch die Pflanzenzeiger zu erkennen gibt. Das Wort „Phänologie“ findet seinen Ursprung im Griechischen. Es bedeutet „Lehre von den Erscheinungen“ und ist ein Teilgebiet der Meteorologie. Er zeigt das periodische Wiederkehren der Wachstums- und Entwicklungsphasen bestimmter Pflanzen.

Die Natur hat die verschiedensten Jahreszeitkleider im Petto, die sie stetig wechselt und die wir beobachten können. 10 Stück sind es an der Zahl und damit setzt Mutter Natur schon sehr frühzeitig einen Trend mit einem minimalistischen Kleiderschrank a la „Capsule Wardrop“. 

Für den Frühling, Sommer und den Herbst hat sie jeweils 3 Kleider, die uns jedes für sich verzaubern kann. 

Das phänologische Jahr startet mit dem eher dezenten Trottelkleid der Haselnussblüte als Vorfrühling. Vor allem für uns Hummeln ist das nach dem Winter sozusagen ein All you can eat Buffet. 36 Tage lang liegt dann der erste erotische Austausch der Natur (Pollen) in der Luft. 

Der Frühling beginnt

Beginnt dann der Erstfrühling, kommt endlich wieder Farbe ins Spiel nach den diversen Grautönen des Winters, von denen sich selbst Mr. Grey mit seinen 50 Facetten eine Scheibe abschneiden kann. Die gelbe Forsythienblüte verwöhnt unsere Augen. Das knallig gelbe Erstfrühlingskleid sticht lebendig hervor und so langsam klettern auch die Temperaturen das Thermometer empor. Auch ich als Hummel fühle mich immer wohler und kann es kaum erwarten, bis 29 Tage später die Knospen der Apfelblüte aufplatzen.

Die Zeit der Baumblüte ist einfach magisch. Sie kennzeichnet den Vollfrühling – wahrscheinlich auch deshalb, weil die Bäume in voller Blüte stehen. Und so ziehen die 30 Tage bis zum Frühsommer wie in einem Rausch vorbei. Ich meine dann immer durch Märchenwelten zu fliegen, wenn ich durch die Baumblüten brumme und summe.

Der Sommer beginnt

Mit den schmackhaften Holunderblüten beginnt dann der Frühsommer. Die Flora und Fauna nähert sich nun mit großen Schritten (22 an der Zahl), ihrem jährlichen Höhepunkt an Pracht und Vielfalt. Bunte Blüten, aromatische Kräuter und lichtüberflutete Tage erwecken auch im letzten Winkel unseres Breitengrades die Lebensgeister.
Die Hitze lockt schließlich alle an den Strand und lässt die Sommerlinde erblühen. (Die Sommerlinde erkennst du an der Unterseite des Blattes. In den Blattachseln befinden sich kleine, weiße Achselhärchen. Bei der Winterlinde sind die „Achselhärchen“ braun.) Es ist nun Hochsommer für 42 Tage.

Mit einem weiteren Hochsommerzeiger haben begeisterte Küchenfreunde ihre Freude die quietschsauer rote Johannisbeere ist nun naschreif und lässt das ein oder andere Gesicht verzerren. Doch jeder Sommer neigt sich einmal dem Ende zu und so folgt auf dem Hochsommer logischer weise der Spätsommer. Auf sauer folgt süß.Der frühe Apfel ist gereift und inspiriert verbitterte Stiefmütter zu tödlichen Wanderungen über 7 Berge. Das sollte allerdings nicht länger als 25 Tage dauern, denn dann läutet der Frühherbst schon die ersten kälteren Tage ein.

Doch jeder Sommer neigt sich einmal dem Ende zu und so folgt auf den Hochsommer logischerweise der Spätsommer. Auf sauer folgt süß.Der frühe Apfel ist gereift und inspiriert verbitterte Stiefmütter zu tödlichen Wanderungen über 7 Berge. Das sollte allerdings nicht länger als 25 Tage dauern, denn dann läutet der Frühherbst schon die ersten kälteren Tage ein.

Der bunte Herbst

Der Frühherbst bringt uns die Holunderbeeren, die uns mit reichlich Vitamin C versorgt und damit gegen die Erkältungszeit wappnet. Für 23 Tage können wir uns also in den Herbst einstimmen, bevor es für weitere 28 Tage in den Vollherbst geht.

Die handschmeichelnden Kastanien zeigen uns, dass sich das Jahr dem Ende neigt. Diese Zeit ist gut dafür geeignet, den Garten langsam, aber sicher winterfest zu machen und auch Zeit für Vergnügen zu finden, Kastanienmännchen zu basteln. Ob mit oder ohne Kinder macht es Freude, die braunen Früchte in die Hand zu nehmen und zu spüren.

Der Spätherbst schließlich ist gekennzeichnet durch das bunte Farbenkleid der Stieleiche. Die kürzeste phänologische Jahreszeit mit nur 17 Tagen ist wohl auch eine der stimmungsvollsten. Dicke Nebelschwaden, moosig-pilzig-aromatische Luft und bunte Blätter beeindrucken mich jedes Jahr aufs Neue tief greifend.

Winter zieht ein

Wenn dann die bunten Blätter der Stieleiche und auch die Lärchenblätter fallen, zieht die Natur für 113 Tage den Wintermantel an. Wir ziehen uns zurück. Wir schlafen viel und umgeben uns mit Kerzenschein. Die Natur kommt nun zur Ruhe.


Wer also im Einklang mit der Natur leben möchte, nimmt sich im Winter Zeit zur Regeneration und Besinnlichkeit. Nur dann können wir es einem frischen Keim im Frühling gleichtun und wie ein Phönix aus der Asche neu entstehen.

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