Vaterfigur

Als ich noch klein war, habe ich meinen Vater vor allem am Wochenende gesehen. Er hat viel gearbeitet und kam erst spät nach hause, da war keine Zeit für viel Miteinander. Eine Beziehung, wie ich sie zu meiner Mutter hatte und habe konnte sich in dieser kurzen Zeit nicht aufbauen. Erst als ich aus dem Haus und erwachsen war, mein Vater in Rente, konnte ich eine tiefere Beziehung zu ihm aufbauen. Bei Autofahrten führten wir plötzlich Gespräche, wie ich sie in meiner Kindheit praktisch nie mit ihm geführt habe. 

Ich bin zum Glück kein Scheidungskind. Die Trennung der zwei wichtigsten Menschen in meinem Kinderleben musste ich nie verarbeiten und ich habe dadurch keinerlei Erfahrung, welch innere Zerrissenheit das in einer Kinderseele auslösen kann – ich kann es nur erahnen. Es muss absolut furchtbar sein, wenn Mutter und Vater sich so uneins sind, dass die Kinder genau dazwischen agieren müssen.  

Eines Tages trudelte eine E-Mail der Mutter der Kinder ins Haus. In der stand neben ganz vieler anderer Dinge, dass die Kinder unter der fehlenden Vaterfigur leiden würden und sie das jeden Tag aufs neue schmerzlich beobachten würde. Niklas ist in dieser Darstellung derjenige, der die alleinige Schuld daran trägt. 

Eine Beziehung und auch eine Familie sind keine Einbahnstraßen. In dieser Gleichung gibt es immer, immer, immer mindestens 2 Beteiligte. 

Es ist mittlerweile November – Monate sind seit dieser E-Mail vergangen. Niklas hat seine Kinder bis jetzt nur 7 Mal gesehen. Es heißt auf jede Nachfrage wann sie sich wiedersehen: „Die Kinder wollen nicht zu dir kommen.“ 

Ich habe ihm mehrere Anlaufstellen organisiert zu denen er gehen konnte, um sich beraten zu lassen. Jede Stelle schlug ein gemeinsames Gespräch mit der Mutter vor. Eine Wahnsinns Idee, auf die wir auch schon selber gekommen waren, stellt sich nur die Frage: WIE?!

Wie können wir ein Gespräch in gemeinsamer Runde führen, wenn Catlyn, die Mutter und Ex-Frau, keinerlei Verantwortung zu sich nimmt?! Nach mehreren Fragen und Bitten, um ein Mediationsgespräch kamen lediglich Antworten wie: „Du müsstest das machen!“ Oder „Ich habe keine Zeit für sowas!“ Die selbe ablehnende Reaktion hatte sie ihm schon angedeihen lassen, als er gegen Ende der Ehe ebenfalls vorschlug zur Paartherapie zu gehen. 

Schade nur, dass sie keine Zeit hat, den Kindern ihre fehlende Vaterrolle unter der sie laut ihrer eigenen Aussage so leiden wiederzugeben. Es liegen ganz offensichtlich schwere Konflikte auf der Beziehung, die nur zu lösen sind, in dem miteinander gesprochen wird. Da sie jedoch die Kinder hat, ist für sie alles in Ordnung. Wie kann sie dann jedoch auf der anderen Seite Vorhaltungen machen, dass er nicht da ist und gleichzeitig nichts dafür tun, dass sich das Verhältnis verbessert?!

Hilflosigkeit und Ratlosigkeit nun schon seit über 3 Jahren  – ich weiß nicht mehr weiter.

Nachdem sich herauskristallisiert hatte, dass die Kinder garnicht mehr kommen wollen, riet ich Niklas zum X-ten Male, er solle einen wöchentlichen Telefontermin mit ihr vereinbaren. Auf diese Weise wüsste er, was aktuelles bei den Kinder geschehe und des Weiteren könnte sich die Beziehung der beiden verbessern. Die ersten 3, 4 Wochen, nachdem er dies angeregt hatte erschienen recht erfolgreich. Doch es dauerte nicht lange und schnell war er wieder dabei hinterherzurennen. 

Ganz schnell kristallisierte sich heraus, dass nur er der Initiator dieses wöchentlichen Termins war. Abgemacht war der Dienstag Abend ab 20 Uhr – jede Woche. 

Schrieb er jedoch nicht bereits am Vormittag, ob der Termin heute klappe und rief er nicht an, so bleib der Hörer still. Und selbst wenn er schrieb und nachfragte, ob es mit dem Telefonat klappen würde, blieb die Frage unbeantwortet und Anrufe wurden nicht abgehoben. Keine Kontaktaufnahmeversuche ihrerseits. Kein „Heute passt es mir nicht, lass uns doch gerne morgen zu 18 Uhr telefonieren, wenn das für dich passt?“, keinerlei Reaktionen auf Mailboxnachrichten, in denen Niklas um ein Gespräch bat. Absolute Stille. 

Sieht so eine Mutter aus, die daran interessiert ist, das Leiden aufgrund der fehlenden Vaterfigur ihrer Kinder zu schmälern?

Nein. Ich würde es anders machen, wenn ich schon solch eine Aussage treffe. 

Was können wir tun? Wie können wir Konflikte lösen ohne miteinander reden zu können?! Wie kann die absolutistische Herrschaft Catlyns über die Kinder aufgehoben werden und wieder zu einem Miteinander unter den Eltern werden? 

Ich würde so gerne Lösungen finden, doch jede Lösung, die ich mir ersonnen habe führte zu nichts oder sogar schlimmeren. Ich weiß einfach nicht mehr weiter. 

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