Es ist Juni 2021 und so langsam nähert sich der Geburtstag von Gianna. Es ist der erste Geburtstag den ich dann miterleben darf. Ich bin schon sehr aufgeregt bei dem Gedanken an die Geburtstagsfeier und frage mich, was ich mich mit der Ex-Frau und ihren Eltern unterhalten soll. Gianna kommt auf mich zu und lädt mich zu. Sehr früh, immerhin sind es noch 3 Monate bis zu ihrem Geburtstag, aber sie freut sich so sehr drauf und verrät mir schon jetzt, dass sie mich gerne dabei haben möchte. Ich teile ihr auch meine Freude mit und glücklich, dass sie mich dabei haben möchte.
Der große Tag rückt näher. Sie hat mir zwischenzeitlich immer wieder am Papawochenende ihren Wunsch mitgeteilt, dass sie mich gerne einladen möchte und dann kommt die Nachricht. Sie hat den Mut es mir selbst zu sagen: „Du, es wäre gut, wenn du doch nicht kommt. Weißt du, wie würden es denn Oma und Opa finden, wenn du mit Papa Händchen hälst und dich vor ihnen küsst. Oma und Opa würden das bestimmt nicht gut finden. Ihr fummelt so viel rum. Und idi musst verstehen, dass ist ja Muttis Haus.“
Interessant. Über was sich so eine 8-Jährige Gedanken macht. Oma und Opa hat sie bis jetzt nie erwähnt. Sie hat mich total glücklich immer wieder zu ihrem Geburtstag eingeladen – bis jetzt, bis 2 Wochen vor dem Tag…wo das wohl herkommt, dieser plötzliche Gedanke um das Wohlergehen der Großeltern an ihrem Geburtstag?! Und was bitte hat Muttis Haus damit zu tun?
Ich frage nach: „Aber was hat denn Muttis Haus mit deinem Geburtstag zu tun? Ich möchte dich doch nur zu deinem Geburtstag besuchen. Ich möchte nicht das Haus, sondern dir gratulieren.“
„Ja aber Mutti hat gesagt, dass das ihr Haus ist!“
Als sie mir das mitteilt bleibe ich ruhig. Ich drücke ihr mein Verständnis aus, hege aber innerlich einen Haufen Emotionen, die von Trauer, Enttäuschung, Wut und Erleichterung eine Klaviatur verschiedenster Töne durchspielt. Gianna mache ich dabei überhaupt keinen Vorwurf. Ich weiß ganz genau, dass sie sich von Herzen gewünscht hat, mich als ihren gast begrüßen zu dürfen. Wer mich nicht in der Runde dabei haben möchte ist Frau Mutter. Da werden dann ganz schnell Gründe gefunden, wie Oma und Opas Wohlbefinden beim Anblick der Neuen, wie sie den Vater der Kinder berührt. Und ganz dichter Grund ist natürlich das Haus. Als sei ich ein Vampir, den, wenn man ihn einmal ins Haus gelassen hat, immer wieder eintreten kann.
Wenn diese Ausladung das einzige gewesen wäre, dann wäre das ja noch respektierter gewesen, doch den Vogel hat Catlyn abgeschossen, indem ihr eigener Freund, den sie zu dem Zeitpunkt hatte als Gast der Geburtstagsparty am Tisch saß. Das heißt, ihr Freund durfte am Tisch sitzen, das konnten die Großeltern verkraften, wann sie ihn mal gestreichelt hätte und das Haus hat ihn auch reingelassen. Aber ich, die Freundin des Vaters der Kinder, durfte nicht an dem heiligen Geburtstagstisch sitzen.
DAS HAT GESESSEN!
Meine Emotionen verlagerten sich nachdem ich diese Information erhalten hatte sehr stark in Richtung Wut und die Klaviatur an Tönen wurde nun sehr monoton.
Im darauffolgenden Jahr – Catlyn war bereits wieder Single – lud mich Gianna auch wieder Monate zuvor zu ihrem Geburtstag ein. Auch diesen Tag sollte ich nicht als Mitglied der Gemeinschaft mitfeiern dürfen.
Anfang diesen Jahres, als die Mädchen noch ein mal hier waren, bevor wir sie Monate land nicht mehr zu Gesicht bekamen, kuschelte sich Gianna morgens zu uns ins Bett und quatschte mit uns. Irgendwann kam sie zu ihrem Geburtstag und fragte mich, ob ich mich an ihre eine Freundin erinnerte, die auch da gewesen sei. Ich antwortete ihr, dass ich noch nie auf einem ihrer Geburtstage gewesen sei. Sie erschrak und stellte meine Aussage in frage. Ich beschwor, noch nie auf einem ihrer Geburtstagsfeiern gewesen zu sein. Daraufhin sagte sie: „Na dann wird es ja mal Zeit!“
Ich war bis heute nicht auf einem Geburtstag.
Mal abgesehen davon, dass ich es hoch interessant finde, wie das Erinnerungsvermögen von Kindern funktioniert, bin ich fassungslos über die Botschaft, die hinter dieser verschmähenden Ausladung mir gegenüber bei den Kindern ankommt.
Kann die Freundin des Vaters wirklich in Ordnung sein, wenn ich sie nicht zu meinem Geburtstag einladen darf?
Und das ist nur die offensichtlichste der Botschaften die sie ihren Kindern mitgegeben hat, die ich auch ganz offensiv zur Schau gestellt bekam. Begeben wi runs, kann sie super Schauspielern und ist die Freundlichkeit in Person, doch warum wird mit psydoargumenten verhindert, das ich nach ausdrücklichem Wunsch des Kindes nicht zum Geburtstag kommen kann, wenn sie sich doch so gut mit mir versteht?
Vielleicht verstehe ich das auch alles falsch und interpretiere Gefühle ihrerseits hinein, die garnicht da sind. Das weiß ich nicht. Solche, für mich Konflikte, würde ich sehr, sehr gerne in Gesprochen klären wollen…doch entweder werde ich ausgeladen oder Mediationen und Gespräche werden abgelehnt. Die demnongate meiner Person, „die Neue“, wird immer wieder subtil und weniger subtil praktiziert. In Sätzen wie: „Du hast ir garnichts zu sagen, hat Mutti gesagt, weil du keine Kinder hast. Du hast keine Ahnung von Erziehung!“, weiß ich, dass es nicht erwünscht ist, dass ich auf nur irgendeinen erdenkliche Art und Weise auf die Kinder einwirken soll. Im Grunde hat Catlyn nur darauf gewartet dass ich mein Verhalten ändere und mich dem Anschein auf dem Rücken der Kinder ausgetragenen Machtkamp unterlegen zurückziehe. Das habe ich ja leider gemacht, anstatt über diese Hässlichkeit zu stehen, wurde mein persönlicher Mangel an Selbstwert so sehr getigert, dass mein inneres Kind eingeknickt ist. Könnt eich doch nur die Zeit zurück drehen und drüber stehen. Einfach so tun, als ob das alles nicht passiert wäre. Weiterhin mit den Kindern basteln und Spaß haben und wie nach dem Wogende drüber geredet wird, auch von den Kinder: egal! Ich habe ja zwei Ohren hat meine Oma immer gesagt, in eines geht es rein, ins andere wieder raus.
Ich freue mich zurückgezogen zu haben…aber wie es so ist, ist das ganze Leben ein Lernprozess. Mit dem Wissen von heute, würd eich andere Entscheidungen treffen und mein jüngeres Ich umarmen, um ihm zu sagen, dass es wichtig ist, weiterhin so unbefangen wie möglich mit den Kindern umzugehen, auch wenn das Fass schon überläuft und das Maß der Dinge die gesagt werden voll ist. Ich würde mein jüngeres ch in seiner Verzweiflung umarmen und mir sagen, dass ich gut so bin, wie ich bin und dass ich das ganz toll mache mit den Kindern und dass kein Mensch perfekt ist. Ich würde mir die Erlaubnis zum Fehler machen geben und wäre stolz auf mich, dass ich versuche mein Verhalten immer wieder zu hinterfragen.
Gerade durch die Kinder habe ich gemerkt, dass ich das autoritäre, kontrollsüchtige Verhalten meiner Eltern ungefragt wiederholen möchte und merke, wie ich mich dabei super unwohl fühle. Da es nicht meine eigenen Kinder sind, habe ich mich sehr gezügelt und führte innere Monologe sinnfreier Natur darüber, „dass das doch aber so sein habe“ *Fingerzeig*! Als Erwachsener-Ich merke ich dann, dass da was nicht stimmt und fange an zu hinterfragen: „Ja warum muss dass den jetzt eigentlich so?!“ „Weil man das so macht!“, antwortet mein inneres Kind. „Und warum macht man das so? Und wer ist dieser ominöse ‚man‘?“
Schweigen am anderen Ende.
Ich vermisse die Mädchen. Auch wenn sie mich manchmal an meine Grenzen bringen, weil sie super viel streiten, so habe ich es auch genossen etwas mit ihnen zu unternehmen und mich selbst durch sie besser kennen zu lernen und durch sie zu lernen – zu lernen die Dinge zu hinterfragen, die meine Eltern einmal mit mir gemacht haben, die ich nun wiederholen würde, würde nicht meinen innere Stimme anspringen.